#1 Böser oder guter Bär?

Auf leisen Tatzen

In den vergangenen Tagen ist der Suchmaschinen-Gigant Google aus dem Blickfeld der Öffentlichkeit gerückt: Der Datendiebstahl bei Sony, die bevorstehende Übernahme von Skype durch Microsoft und auch das Datenleck bei Facebook beschäftigten die Printmedien und Onlineplattformen. Google plant jedoch eine Veränderung seines Suchalgorithmus, die nach den USA und Großbritannien nun auch für die deutsche Websuche des Unternehmens eingeführt werden soll, wie Holger Schmidt in seinem Blog für die Frankfurter Allgemeine Zeitung schreibt. Da das kalifornische Unternehmen zweifellos den Markt der Suchmaschinen beherrscht, könnte Panda, so der Name des Updates, einschneidende Folgen haben. Um diese abschätzen zu können, muss man jedoch verstehen, wie die Google-Suche arbeitet.

Wie funktioniert Google bisher?

Das Unternehmen gibt sich hinsichtlich des Herzstücks seines Geschäftsmodells als vermeintlich offen, wie ein youtube-Video zeigt, in dem ein Google-Mitarbeiter die Suche in einfachen Worten erklärt. Er macht gleich zu Beginn seiner Erklärungen klar, warum eine Modifikation der Suchmethode weit reichende Folgen hat: Der Nutzer des Suchportals surft nicht etwa in gesamten Internet, sondern lässt in den von Google erfassten Websites suchen. Natürlich versucht Google, möglichst alle Websites zu erfassen, doch es gelingt nicht immer, wie ein Text der Universitätsbibliothek Bielefeld anschaulich erklärt. So finden wir im weltweiten Netz, wenn wir, wie rund 90% der deutschen Internetnutzer, Google für unsere Recherche nutzen, nur das, was die Suchmaschine selbst schon gefunden hat.

Wirklich entscheidend ist jedoch, wie weit oben in der Liste der Suchtreffer eine Website gelistet wird – so konzentrieren sich viele Nutzer auf den obereren Teil der Google-Trefferseite, wie das Wirtschaftsblatt aus einer amerikanischen Studie zitiert – und in gerade diese Sortierung greift das Panda-Update ein.

Was verändert Panda?

Die Grundidee des Projekts ist viel versprechend: Die Websuche soll bessere Ergebnisse liefern. Bisher wurde vor allem nach zwei Kriterien vorgegangen: Wie häufig taucht der Suchbegriff und Synonyme auf der Website auf und wie viele andere Seiten verweisen auf das Internetangebot, wie im oben genannten youtube-Video auch erklärt wird.

Nun wurde der Algorithmus offenbar den neu gewachsenen Strukturen des Internets angepasst: Social Media wird ein größerer Einfluss auf die Trefferliste zugewiesen und „high quality sites“, wie Google im eigenen im Blog schreibt, sollen besser bewertet werden. Zu beiden Hauptideen des Panda-Updates lässt sich das Unternehmen etwas in die Karten schauen: So veröffentlichte man die Leitfragen, die bei der Verbesserung der Suche Pate standen und ein Video erklärt die Funktionsweise der „Social Search“. Und auch die Blogosphäre versucht sich in anschaulichen Erklärungen der Neuerungen, wie seo-united.de mit „Panda-Update für Dummies“.

Wie das neue Update technisch genau funktioniert, bleibt natürlich geheim – jedoch scheint es überaus gelungen, wie der der Suchmaschinenexperte Eric Kubitz, der im F.A.Z.-Blog zu Wort kommt, ausführt. Google genieße für das Update unter Kennern Hochachtung. Insbesondere werden durch die neue Konfiguration nämlich sogenannte „Content Farms“ abgestraft. Das Problem mit diesen Webangeboten bringt der Weblog der Webstyle GmbH auf den Punkt: „[Ihre] Betreiber […] füllen ihre Websites mit Inhalten fremder Seiten, die aber für gute Platzierungen in den Rankings der Suchmaschinen sorgen. Damit werden sie attraktiv für Werbepartner und verdienen gutes Geld. Für den Nutzer aber ergibt sich aus den kopierten Inhalten kein Mehrwert, sie stören lediglich bei der Suche nach neuen, tatsächlich relevanten Informationen.“ In Deutschland könnten von den Neuerungen zum Beispiel das Produktbewertungs- und Preisvergleichsportal ciao.de oder auch qype.de betroffen sein.

Happy End im Bärenland?

Dass die Modifikation des Suchalgorithmus’ Auswirkungen haben wird, kann kaum bestritten werden. Die „normalen“ Nutzer werden kaum etwas merken, oder, wie Google verspricht, einfach bessere Treffer bekommen. Jedoch könnte das Update angesichts der Marktmacht des Unternehmens Einfluss auf die Wirtschaftsleistung einzelner Internetdienstleister haben – so generiert Onlinewerbung in Verbindung mit hohen Klickzahlen bares Geld. Und wichtig dafür ist eben, dass man im „Telefonbuch des Internets“ schnell (und weit oben in der Trefferliste) gefunden wird. Der Suchmaschinen-Optimierer Sistrix demonstriert in einer Tabelle, wie massiv Panda angeblich die Listenplätze einzelner US-Websites verändert. Ein Anstieg der Arbeitlosigkeit in Nordamerika wird gar von Kritikern aus US-Wirtschaftskreisen prophezeit, wie gulli.com berichtet. Doch wer mit Google nach „Panda-Update“ sucht, findet mit wenigen Klicks Tipps für die Optimierung von Websites unter den veränderten Bedingungen – das Webcommunity arbeitet schon mit vereinter Kraft an der „Zähmung des Pandas“. Offenbar wird der Bär nicht so heiß gegessen wird, wie er in Bloggerkreisen derzeit gegrillt wird.

Schließlich bieten für uns Nutzer die Bemühungen des Suchmaschinenbetreibers zunächst einen Mehrwert: Bessere Treffer, weniger inhaltsleere und gleichzeitig überfrachtete Websites. Was uns jedoch sorgen sollte: Unser Kosmos ist heute der von Google – was die nicht finden, werden wir wohl nie erfahren. Und wenn die Auswirkungen auf die Wirtschaft so groß sind, wie die schärfsten Kritiker befürchten, wird es erneut Zeit für die Diskussion, ob ein einzelnes Suchmaschinenunternehmen so viel Macht in sich vereinen darf.